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Ted Leonard: Way Home
Mit sieben ab 1993 erschienenen Studioalben haben sich Enchant
in die Herzen all jener gespielt, denen eine geschmackvolle Melange
aus Neoprog, Metal und Melodic Rock mundet. Ihrer Tug Of War-Tour
2003 folgte der auf CD und DVD erhältliche Mitschnitt Live
At Last, seither ist es zumindest hierzulande
um die Band aus Kalifornien ruhiger geworden. Ihr Frontmann Ted
Leonard kommt jetzt allerdings mit einer faustdicken Überraschung
um die Ecke: Auf seinem ersten Soloalbum Way Home outet
er sich als waschechter Christenrocker.
14 Songs, davon fünf vollständig überarbeitete Enchant-Titel
sowie neun neue Stücke, hat Ted Leonard für My Way
in seinem Homestudio aufgenommen. Natürlich singt er, außerdem
stammen alle Gitarren- und Bassparts von ihm selbst. Am Schlagzeug
nahmen Leonhards Enchant-Kollege Sean Flanegan und sozusagen
als Überraschungsgast Spocks Beard-Drummer Nick
DiVirgilio Platz. Letzteres zu Leonards besonders großer
Freude: Ich hatte Nick angefragt, sagt er, aber
nicht wirklich mit einer Zusage gerechnet. Dass er mit von der Partie
war, macht mich als langjährigen Beard-Fanboy stolz, und Nick
hat maßgeblichen Anteil am Feintuning und damit letztlich
am Tiefgang des Albums.
Womit wir beim Thema wären: My Way bietet nicht
Progressive Rock im engeren Sinne, sondern ebenso anspruchs- wie
stimmungsvollen, gitarrenbasierten Adult-Rock mit Singer/Songwriter-,
phasenweise auch Alternative-Attitüde. Schöne Beispiele
dafür sind Titel wie Submerged, Once A Week,
Take This Cup oder Thank You allesamt
nachzuhören auf Leonards Myspace-Seite (www.myspace.com/tedleonard).
Mindestens genau so wichtig wie die Form ist bei My Way
der Inhalt: Wie sein Musikerkollege Neal Morse von Spocks
Beard, ist Ted Leonard von tiefem Glauben durchdrungen, und ebenso
wie der Genannte hält er damit ganz und gar nicht hinter dem
Berg die Lyrics sprechen diesbezüglich eine deutliche
Sprache. Fühlt er sich damit der besonders in den USA florierenden
Christenrock-Szene zugehörig? Gute Frage, so Leonard.
Müsste das Album kategorisiert werden, dann sicherlich
so. Andererseits aber finden fast alle Konzerte von Künstlern
dieser Richtung in Kirchen statt, vor einem Publikum, das andächtig
und oft regungslos auf seinen Sitzen verharrt. Das wäre wohl
nichts für mich. Ohnehin muss sich noch zeigen, wie und wo
wir My Way auf die Bühne bringen können. Passieren
soll das auf jeden Fall, am allerliebsten wieder mit Nick DiVirgilio
in der Band.
Einen internationalen Vertrieb für My Way gab
es zum Verkaufsstart nicht. Ted Leonard veröffentlicht das
Album in Eigenregie, erhältlich ist es zunächst über
die Enchant-Homepage (www.theoasis.cc), über den amerikanischen
Online-Händler cdbaby.com sowie zum Download bei iTunes und
Napster. Einschlägige europäische Mailorder, auch auf
christliche Musik spezialisierte Vertriebsfirmen, sollen folgen.
Zunächst einmal kaum Chancen auf einen kommerziellen Knaller
also, obwohl das Songmaterial ohne Frage die Voraussetzungen dafür
mitbrächte. Für Leonard ein Problem? In meinem Musikerleben
bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mir keine großen
Illusionen mehr mache. Verkaufserfolg wäre schön. Solange
ich aber nicht in größerem Umfang draufzahlen muss, ist
er nicht entscheidend. Ich möchte ein künstlerisches Statement
abgeben und nicht zuletzt auch ein Glaubensbekenntnis, darauf kommt
es mir jetzt an.
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